Einmal Java bitte!

Einmal Java bitte, aber leider nur für 2 Nächte.

Auf meiner Bucketlist stand schon ewig ein großer Punkt: Ich möchte irgendwann mal einen Aktiven Vulkan besteigen.

Warum genau, ich schon immer dieses Verlangen danach hatte, kann ich überhaupt nicht erklären. Vielleicht ist es einfach das Wissen, dass es sich hier um die pure Gewalt und Macht der Natur handelt. Nichts Menschliches auf der Welt kann so stark sein, wie die Erde auf der wir selbst nur Gäste sind. Ich denke das erklärt es ganz gut, denn ich habe dieses Verlangen bei so ziemlich allem, was Mutter Natur herausgebracht hat. Auf einen Vulkan zu steigen, von dem man weiß, er brodelt die ganze Zeit weiter unter dir selbst. Für mich, ein unglaublich faszinierendes Gefühl.

Ich hatte im Vorfeld viele Blogs von Weltreisenden gelesen, recherchiert und mir Notizen gemacht. Als irgendwann klar war, dass ein Stopp der Weltreise auf Bali sein wird, wusste ich, das ist meine Chance. Denn auf der Nachbarinsel Java gibt es da einen ganz speziellen Vulkan. Sein Name ist Ijen.

Es wurde also Zeit einen meiner Punkte auf der „Was-ich-einmal-im-Leben-gemacht-haben-möchte-Liste“ abzuhaken.

So machten wir uns nach einer Woche Bali auf den Weg zur Nachbarinsel Java. Die Anreise dahin war allerdings anstrengender und komplizierter als am Anfang gedacht. Ich weiß, man sollte nie irgendwelche Vergleiche miteinander ziehen und das tue ich normalerweise auch nicht, aber das Busnetz hier ist, solange man kein Vermögen bezahlen möchte, echt grausam. Da von Ubud kein Bus, egal in welcher Größe, weiter nach Gilimanuk fährt, mussten wir erst mit einem Taxi zurück nach Denpasar, um von dort aus weiter zur Fähre fahren zu können.

Natürlich ließ uns der Taxifahrer am falschen Busbahnhof raus und wollte auf einmal auch noch einen höheren Preis für die Fahrt. Es war so typisch und deshalb auch einer der Gründe warum mich diese Insel teilweise etwas nervt. Aber dazu in einem anderen Beitrag mehr.

An diesem Busbahnhof gab es jedenfalls nur Tickets die 1. viel zu überteuert und 2. nur samt Ticket für die Überfahrt waren. Und als wenn das nicht schon alles falsch genug wäre, zumindest für uns, fuhren diese Busse auch noch weiter bis zur nächsten großen Stadt auf Java. Für uns war das aber viel zu weit, wir wollten ja tatsächlich einfach nur bis zum Hafen in Gilimanuk.

Naja, es war wie immer hier, nach 30 x Ok, einer Preisverhandlung und ein paar bösen Blicken später, verließen wir einfach das Gebäude, liefen an der Hauptstraße entlang und fragten uns dort einfach durch. An einem Unterstellplatz fanden wir einen Mann mit seinem Sohn. Sie waren wohl schon eine ganze Weile mit Ihrem Roller unterwegs und machten hier gerade mal Pause.

Er war einer dieser Lichtblicke, die man hier teilweise ziemlich selten trifft. Ein Mensch der einfach nur mal nett ist, ohne dir etwas verkaufen zu wollen. Der mit dir da sitzt und sich dann nicht nur bemüht dich zu verstehen, sondern der auch noch wirklich versucht dir zu helfen. Er sprach vielleicht gerade mal 20 Worte in Englisch, aber trotzdem wollte er uns einfach nur helfen. Diese kleinen Lichtblicke schickt tatsächlich jedes Mal der Himmel.

Wir warteten an diesem Unterstand bestimmt eine dreiviertel Stunde, bis er auf einmal aufsprang, einen Bus stoppte und uns hineinwinkte. Wir konnten so schnell überhaupt nicht richtig reagieren, wir warfen nochmal ein paar Fragende Blicke an den Mann an der Türe vom Bus und riefen  „Gilimanuk“, es kam ein „Yes, Yes“ und schon saßen wir drinnen. Es war genauso ein Bus wie wir ihn gesucht hatten. Ein kleiner, mit maximal 20 Plätzen. Wir waren diesem netten Mann so dankbar für seine kleine, aber für uns doch, ziemlich große Hilfe.

Im Bus kurz durchgeatmet und dann bemerkte ich, dass ich eins meiner Armbänder verloren hatte. Es muss kurz vorher passiert sein. Ich hatte es vor ein paar Wochen selbst gemacht. Ein Lederband mit einem Flügel, einer Feder und einem kleinen Schutzengel. Sorry Pia, aber ich hoffe es ist ok für dich, dass er jetzt sein neues Zuhause auf Bali gefunden hat. Schon komisch, jedes Mal wenn ich nun auf mein Handgelenk sehe, fehlt da etwas. Der Mensch ist halt eben doch ein Gewohnheitstier.

Die 3,5 Stunden Fahrt vergingen wie im Flug. Es war schön, die Insel nochmal von einer anderen Seite aus zu sehen. Der Norden sah für mich, obwohl ich ihn nur kurz aus dem Bus sehen konnte, irgendwie so viel mehr authentischer aus. Die Landschaft war einfach nochmal so viel schöner als sie es um Ubud schon ist.

Als es hieß, dass hier nun Endstation ist, boten uns zwei junge Männer ihre Hilfe an. Sie hatten den gleichen Weg wie wir und so nahmen wir das nette Angebot sehr gerne an. Zu meiner Verwunderung, war diesen Hafen doch um einiges größer als ich zuerst dachte. Ich war ganz schön froh, dass uns die beiden beim Weg, dem Ticketkauf und beim Finden der richtigen Fähre halfen.

Die Überfahrt dauerte so ca. 1 Stunde, wobei die reine Fahrt nach Java eigentlich nur 20 Minuten dauerte. Die Restliche Zeit wartet man tatsächlich vor dem Anleger auf eine freie Stelle. Bei der Menge an Fähren die sich um uns herum tummelten, war die Wartezeit auch absolut nachvollziehbar.

Schon auf dem Wasser fangen unsere Handys an durchzudrehen. Denn obwohl die beiden Inseln so nah beieinanderliegen, beträgt der Zeitunterschied genau eine Stunde. Das hin und her wechseln der Uhrzeit hielt bei mir auch die nächsten 2 Tage noch an. Es war doch etwas zum Lächeln, denn man musste immer in der Welt Uhr nachsehen, ob man jetzt bei der richtigen Zeit ist, oder noch auf der Zeit für Bali.

Wir hatten mit Edy, unserem Besitzer der Unterkunft, einen Treffpunkt ausgemacht und als wir dort ankamen, war er zum Glück schon da. Wir konnten uns somit direkt auf den Weg machen. Auf einmal war nun alles um uns herum gesäumt mit Moscheen. Die ganzen kleinen Tempel die wir noch gerade von Bali gewöhnt waren, gab es hier nicht mehr. 20 Minuten mit der Fähre und kulturell komplett in einer anderen Welt. Verrückt, dass so nah hintereinander zu erleben. Die Autofahrt von einer Stunde, verging dank der ganzen neuen Eindrücke total fix.

Unser Weg war voll von Reisfelder, vom wildesten Dschungel (sah zumindest so aus), von kleinen Dörfern, und von riesigen Vulkanen. Irgendwann ging es von einer schmalen Gasse ab in die nächste und wieder in die nächste. Die Wege wurden immer schmaler und vor allem, immer schlechter. Es ging im Schritttempo nach unten und dann genauso wieder nach oben. Nie hätten wir damit gerechnet, was da am Ende dieses Weges auf uns wartete. Wir fanden dort ein kleines Paradies mitten im Nirgendwo.

Vor uns sahen wir, eine ordentliche, gepflasterte Straße, einige Hundert Meter lang. Haus an Haus. Überall liefen die Hühner frei herum, es wurde der Reis von der morgendlichen Ernte auf Planen mitten auf der Straße getrocknet und es spielten unzählige Kinder gemeinsam um uns herum.

Im letzten Drittel stoppte das Auto, wir waren angekommen, packten unsere Backpacks aus und setzten uns auf die Veranda. Genau das hatte ich mir die ganze Zeit auf Bali gewünscht, sehen zu können wie die Menschen hier denn eigentlich leben.

Da wir beide Hunger ohne Ende hatten, machte uns Edy´s Schwester noch ein leckeres Dinner. Reis, mit Ei und Gurke. Es war so köstliche, dass wir selbst nach einem vollen Teller noch nicht satt waren und uns noch einen 2. bestellten. Wir konnten einfach nicht genug davon bekommen. Als wir dann irgendwann mal satt waren, ging es sofort ins Bett. Die kommende Nacht sollte nicht nur kurz, sondern auch einmalig werden.

So und jetzt habt ihr euch etwas zu früh gefreut, denn für die nächsten 8 Stunden gibt es einen extra Beitrag. 😉

Gegen 9 Uhr am nächsten Morgen waren wir wieder zurück. Als wir auf der Straße stoppten, fühlten wir eine Mischung aus so ziemlich allem. Wir waren aufgedreht, voller Glücksgefühle, todmüde, total kaputt, stolz und einfach happy das alles gemacht zu haben.

Wir wussten aber auch, trotz all der Glücksgefühle in uns, der erste Weg führt uns unter die Dusche. Der Gestank von verbranntem Schwefel musste einfach weg.

Nach so einer Tour, findet man es doch ziemlich cool, wenn man sieht, dass selbst das Frühstück aus Reis und anderen Kleinigkeiten besteht. Klar, wer hier auf Fett achtet, ist jetzt nicht ganz in der richtigen Ecke. Wenn man aber schon etliche Stunden auf den Beinen ist, „etwas“ Frühsport absolviert hatte und einfach nur unheimlich hungrig ist, dann sind zwei ordentliche Teller Reis auch schon um halb zehn in der früh ziemlich geil. Dazu gab es wie immer ein warmes Glas Tee. Es könnte durchaus sein, dass ich nach dieser Reise ein echter Teetrinker geworden bin. Mal abwarten ;).

Nach dieser Portion Energie, ging es erstmal zurück ins Bett. Was so 2 Stunden nachgeholter Schlaf alles mit einem machen können. Herrlich!

Nachdem ich ausgeschlafen hatte, nutzte ich die Zeit und schlenderte etwas an den Reisfeldern entlang. Ich wusste nicht was ich mehr genoss, die Ruhe, die Aussicht, das satte Grün um mich herum, oder einfach dieser Mix aus allem.

Als ich zurück war, brachte uns Edy zwei frisch geerntete, riesige Kokosnüsse. Sie waren ein Geschenk von Holek, der uns in der Nacht noch auf den Vulkan führte und jetzt schon wieder auf den Feldern arbeitete. Sie waren einfach absolut lecker!

Kurz vor dem Dinner gab mir Edy noch etwas Nachhilfe in Sachen Reisanbau. Er erklärte mir, wie der Reis angebaut wird, wann er bereit ist zum Ernten, was sie gegen die Schnecken tun, oder was sie machen, wenn das komplette Feld kaputtgegangen ist. Man lernt so viel und steht genau in diesem Moment live dabei. Ich war noch nie ein Mensch der gerne in die Schule gegangen ist, zu öde und zu eintönig. Von so etwas, da konnte ich aber noch nie genug bekommen. Lernen live vor Ort. Er machte mir 3 Reisknospen auf, nur um mir die Unterschiede zu zeigen. Am Ende der Reife sehen sie äußerlich etwas aus wie Weizenkörner und darin befindet sich ein einzelnes, weißes, fertiges Reiskorn. Ziemlich klein und grün sind die Körner wenn sie noch nicht fertig sind, und ganz am Anfang sind die kleinen Knospen nur gefüllt mit einer Art Milch. Ganz ehrlich, wer von euch hätte sowas gewusst, oder hat sich darüber überhaupt jemals Gedanken gemacht. Sicherlich kein Mensch und ja das ist normal, aber zu wissen, was da eigentlich passiert ist schon ziemlich cool. Den Reis im Supermarkt, werde ich jetzt auf alle Fälle mit etwas anderen Augen betrachten.

Nach der Lehrstunde in Agrarwirtschaft, bekam ich eine weitere Lehrstunde. Dieses Mal ging es um die heimischen Schlangen.

Laut Edy gibt es hier wohl ungiftige, giftige und sogar große Anakondas. Letztere würden sich die meiste Zeit am benachbarten Fluss aufhalten. Die Dorfbewohner meiden ihn daher. Ich fragte ihn, ob es denn auch die ganz großen seien, so um die 10 Meter oder etwas in der Art. Natürlich ich, als kleiner Touri, musste wieder vom extremsten Fall ausgehen. Bei der Antwort lächelte er trocken, winkte ab und meinte: Nein, Nein nur so um die 6 Meter. Ja, genau diese Antwort wollte ich hören! 6 Meter sind jetzt nicht wirklich beruhigender für mich!!

Es kommt wohl auch recht häufig vor, dass bei der Arbeit im Feld mal eine Schlange zu beißt. Bei den ungiftigen wäre das wohl keine große Sache, es schmerzt etwas und geht dann wieder vorbei. Sollte eine giftige Schlange zubeißen, würde das etwas anders aussehen. Bei der gefährlicheren Variante wäre der nächste Schritt, auf eine Kokusnusspalme zu klettern, eine Kokosnuss abzumachen und dann den Saft komplett leer zu trinken. Der Saft der Kokosnuss soll wohl Antioxidantisch wirken. Erst danach würden sie in ein Krankenhaus fahren um sich ein Gegengift spritzen zu lassen.

Keine Ahnung ob diese Geschichte so stimmt, aber sie ist auf alle Fälle cool genug um sie weiterzuerzählen.

Ich hätte ihm tatsächlich stundenlang zuhören können. Ich muss ausgesehen haben wie eine 7-jährige, die sich noch freut in die Schule gehen zu dürfen. Es war faszinierend das alles vor sich zu sehen und auch erklärt zu bekommen.

Der restliche Nachmittag verstrich genauso schnell, wie so viele andere Stunden in den letzten Wochen. Zeit spielt, bei dieser Art von Reisen, teilweise überhaupt keine Rolle.

Am Abend genossen wir nochmal das köstliche Essen und gingen früh zurück ins Bett.

Das Frühstück war mal wieder eine gute Portion Kohlenhydrate. Gut, dass ich nicht vorhabe, nach dieser Reise in der Figur meines Lebens zu sein. 😉 Nach 4 Wochen Reis, konnte ich es trotzdem immer noch sehen und ich hatte irgendwie das Gefühl, der schmeckt doch wieder etwas anders, als der restliche den wir bisher hatten. Dazu gab es heute ein paar Scheiben Gurke, frittierte Fladen aus Mais (ich hätte mich reinsetzen können), Hühnchen (was ich um diese Zeit noch nicht wirklich essen konnte) und eine Art von Peanuts and Honey, nur ohne so viel Honey. Ich bereue es nach wie vor etwas, dass ich beim Kochen nicht über ihre Schulter gesehen habe. Es war der absolute Wahnsinn. Ein letztes Glas Tee und dann stand schon Edy vor der Türe um uns zurück zur Fähre zu bringen. Es ging von dort aus wieder nach Bali…

Genau DAS, habe ich in Bali bisher die ganze Zeit vermisst. Ein kleiner Einblick ins Leben der Menschen, deren Land man gerade besucht. Es war für mich eine ganz wunderbare Erfahrung diese Stunden dort genießen zu dürfen. Einfach auf der Veranda sitzen, dem bunten Treiben auf der Straße zuzusehen, den Kids ein High-Five zu geben, zu lachen, zu kommunizieren mit Händen und Füßen, das leckere Hausgemachte Essen genießen zu dürfen, das alles einsaugen, lernen und dieses Gefühl so lange, es nur irgendwie geht, in mir zu tragen.

Es werden die Tage noch weitere Bilder folgen. Das Internet lässt mich gerade etwas im Stich 🙂


6 Gedanken zu “Einmal Java bitte!

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