Peru, du bist so einzigartig…

Seit genau 4 Wochen bin ich schon wieder hier, in diesem unglaublichen Land.

Die Anreise, war wahnsinnig lange, aber auch genauso schnell wieder vergessen. Von Whitianga in Neuseeland ging es erst ca. 5,5 Stunden mit dem Bus nach Auckland. Dort ging es nach weiteren 3 Stunden des Wartens mit dem Flieger in 11,5 Stunden nach Buenos Aires. Erneut 3 Stunden Zwischenstopp, bevor es dann für 5 Stunden bis nach Lima ging. Am Ende verließ ich Neuseeland am Abend des 09.08.2017 und kam in Lima am Abend des 09.08.2017 an. Zeitunterschied ganze 17 Stunden. Das alles fühlte sich ziemlich verrückt an 😉

 

Seit ich in Lima, der Hauptstadt Perus, angekommen bin. Erlebe ich ununterbrochen, so viele neue Dinge. So viele wunderbare Menschen kreuzten auch hier schon meinen Weg und es gibt unzählige Momente in denen ich einfach nicht begreifen kann, was ich gerade vor mir sehe.

Ich würde sagen, ich fange einfach mal von vorne an.

 

Lima

Nach 4,5 Monaten im ruhigen und entspannten Neuseeland war die Hauptstadt Perus mit über 8,8 Millionen Einwohnern eine rießige Umstellung für mich. Es war voll, es war wild und es war einfach wunderbar! Mein Hostel mitten im Stadtteil Miraflores teilte ich mir, unter anderem, mit einem Pärchen aus Bayern und einem Peruaner.

Der Akzent aus Bayern, was soll ich sagen, es ist doch einfach immer wieder schön, so ein Stückchen Heimat so weit weg von Zuhause zu haben. ♥ Blau & Weiß ein Leben lang.♥

Zu viert ging es gemeinsam los um die Stadt zu erkunden. Es war ein unglaublicher Tag. Am Ende drehten wir nicht nur ein Werbevideo für den wohl besten Ceviche Koch der Welt (Nationalgericht), nein wir hatten Lunch auf einem lokalen Markt, sahen die Parade am Parlamentsgebäude, schlenderten durch Museen, Märkte und Straßen. Wir versuchten uns an den lokalen Bussen, hatten das beste Sandwich und die besten Pommes die man in Lima finden kann, besuchten Don Fidel Estrelle (der wohl eine kleine Berühmtheit hier ist) und testeten seine unglaublich süßen Melochas. Nach einigen gemeinsamen Bieren fielen wir am Abend einfach nur müde ins Bett.

Ein absolut verrückter Start in Südamerika.

Euch zwei Bayern, wünsche ich von ganzem Herzen, alles Gute für euren Trip! Die folgenden Monate werden unglaublich und den einzigen richtigen Tipp den ich euch geben kann, ist nicht nur jeden einzelnen Tag, sondern jede Sekunde und jeden Moment einfach zu genießen.

 

Huaraz

Über 8 Stunden dauerte die Busfahrt von Lima nach Huaraz. Meine erste von unzähligen in diesem so abwechslungsreichen Land.

Man könnte es auch so sagen. Von Lima auf Meereshöhe ging es nach Huaraz auf über 3000 Metern. Ab 2500 Metern, kann der Körper mit der sogenannten Höhenkrankheit Probleme bekommen. Ich ließ alles ganz entspannt angehen und hatte auch nach 2 Tagen keinerlei Beeinträchtigungen. Weder Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Kurzatmigkeit machten mir Sorgen. Was ein Glück!

Geteilt hatte ich mir mein Zimmer ab dem zweiten Tag wieder mit zwei Deutschen. Tante und Neffe. Ich fand nicht nur die Konstellation großartig, nein die zwei waren auch einfach ganz, ganz liebe Persönlichkeiten. Was habe ich doch immer ein Glück mit den Menschen denen ich begegne.

Und ja, J (mein Neffe) und L (meine Nichte) und alle, die vielleicht da noch dazu kommen mögen. Eure Eltern können euch jetzt schon mal ausrichten, wir werden das in einigen Jahren auch machen. Was freue ich mich jetzt schon darauf, mit euch die Welt zu erkunden!!

Ok, zurück zum eigentlichen Thema 😊 Huaraz ist die Stadt in Peru, die als absoluter Ausgangspunkt zu allen möglichen Wanderungen in die Hochgebirgsregion Cordillera Blanca dient.

Für alle die sich jetzt die Suche bei Wikipedia sparen möchten: Cordillera Blanca hat nicht nur den höchsten Berg Perus (Huascarán 6768 m) zu bieten nein, es war auch der Ausgangspunkt für alleine 4 Lawinen die von Cordillera Blanca aus, die Stadt Huaraz überrollten, und das alleine im 20. Jahrhundert. Zudem ist dieses Gebiet mit 180 km und über 50 Bergen über 5700 m die höchste Gebirgskette des amerikanischen Kontinents (nur in Asien finden sich im Schnitt höhere Gebirgsketten). Alleine die Busfahrten dort, umringt von diesen gewaltigen Bergen, sind einfach Wahnsinn.

Ich hatte mir in Huaraz genau ein unglaubliches Schmankerl ausgesucht. Ein Besuch der Laguna 69. Auf 4680 Metern, befindet sich ein Bergsee, dessen Wasser eine so unglaubliche Farbe hatte, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Der Aufstieg war doch ganz schön anstrengend, aber mit dieser Aussicht am Ende als Belohnung, war jede Anstrengung sofort wieder vergessen. Das Atmen viel schwer, die Beine wurden müde und dann sitzt man vor diesem unglaublichen Blau, umringt von schneebedeckten Berggipfeln.

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Ich war noch nie ein Mensch der sich selbst lobte oder jemand der stolz war auf das, was er erreichte. Auch diese ganze Reise über, ich hatte nie darüber nachgedacht, was ich hier jeden Tag alles alleine meistere. Auf fast 4700 Metern, saß ich ganz still und leise auf einem Steinbrocken, starrte in das kräftige blau des Sees und war zum ersten Mal Stolz auf mich selbst. Ich werde am Freitag 28 Jahre alt. Davon habe 11 Jahre in einer Firma verbracht, den Entschluss gefasst zu gehen und die Welt zu bereisen. 8 Monate später, besuchte ich so viele Länder, erlebte die verrücktesten Geschichten, sah unsere unglaubliche Mutter Erde in den verschiedensten Variationen, lernte Menschen kennen die ich nie wieder vergessen werde und dann bestieg ich diesen Weg zu dieser atemberaubenden Lagune. Und dass alles nur, weil ich einfach losgezogen bin.

Paps, ich bin nun Ready, für all die vielen hohen Berge in Deutschland und Österreich 😉

Laguna 69, danke….

 

 

Trujillo

Von den Bergen der Anden ging es mit dem Bus, zurück ans Meer. Trujillo war mein nächstes Ziel für 3 Nächte. Die Busfahrt von mehreren Stunden „genoss“ ich auch hier wieder bei Tag. Wenn ich schon so viele Stunden im Bus verbringe, möchte ich doch wenigstens auch was von der Landschaft sehen. Ob sie am Ende dann auch wirklich sehenswert war oder nicht, dass weiß man leider immer erst im Nachhinein. Aber immerhin weiß ich jetzt wie ziemlich kaputte Straßen aussehen können, oder wie unwirklich die Wüstenlandschaft hier sein kann. Trujillo hatte so einiges zu bieten. Nicht nur, traf ich mal wieder tolle Menschen mit denen ich die Umgebung unsicher machen konnte, nein, rein geschichtlich war dieser Ort auch unglaublich interessant.

Am ersten Tag ging es direkt nach Chan Chan. Die Ruinen der Hauptstadt des präkolumbischen Chimú-Reiches, gehören nicht nur zum UNESCO-Welterbe sie sind auch noch ziemlich alt. Etwa um 1300 wurde diese Stadt erbaut und war wohl wahrscheinlich die größte Stadt der damaligen Zeit auf dem südamerikanischen Kontinent und sogar eine der größten der Welt, die aus Lehm errichtet wurde. Gewohnt haben um die 60.000 Menschen dort und sie erstreckte sich über eine Fläche von 28 km2.

Die Inkas schafften es zunächst nicht, die Stadt mit militärischer Gewalt an sich zu reißen. Sie mussten erst den durch die Oase fließenden Fluss umleiten, um die Stadt mit der bald eintretenden Wasserknappheit überwältigen zu können.

Eine Zerstörung der Stadt hielten die Inkas nicht für nötig, die Spanier allerdings schon, daher blieb von der Chimú-Kultur nicht mehr viel übrig. Nichts desto trotz, war es unglaublich diese alten Ruinen zu besichtigen.

Was bleibt ist zu hoffen, dass die Welt noch mehr in Richtung Rettung der Klimaveränderung unternimmt. Denn was seit Jahrhunderten in diesem wüstenähnlichen Küstengebiet verharrte wird durch den immer häufig- und heftigeren auftretenden El Niño zerstört. Chan Chan besteht nämlich aus Lehm, Unmengen an Wasser in einer Region, die zwar kurioser Weise am Meer liegt, aber absolut wie eine Wüste aussieht, tun einer Stadt aus Lehm nicht gerade gut.

Hoffentlich werden noch viele Generationen nach mir, diese Ruinen besuchen und bestaunen können, denn das sind sie allemal wert.

Chan Chan war nur ein Highlight meines Besuches in Trujillo. Der zweite sollte der Besuch der beiden Pyramiden werden.

 

Huaca de la Luna und Huaca del Sol. Erbaut vom 3. bis zum 8. Jahrhundert nach Christus. Die beiden Pyramiden stehen lediglich 500 Meter voneinander entfernt und wurden in 4 verschiedenen Bauphasen erbaut.

Die sogenannte Sonnenpyramide (Huaca del Sol) ist die größere der beiden, allerdings wurde sie durch die Spanier, auf der Suche nach Gold, größtenteils zerstört. Nichtsdestotrotz ist sie nach wie vor das größte massive Bauwerk des kontinentalen Amerikas. Etwa 140 Millionen Adobe-Ziegel (in der Sonne getrocknete Lehmziegel) wurden auf dem siebenstufigen Gebäude verbaut.

Der kleine Bruder, ist für Besucher geöffnet und verzaubert einfach jeden mit seinen einmaligen Wandmalereien und Friesen. Da ich der einzige Englischsprachige Touri am Vormittag war, hatte ich meinen Guide für mich alleine. Die Idee ist super, für gerade mal 10 Soles (2,60 €) Eintritt, bekommt man einen Guide für die Tour gestellt. Die Peruanische Regierung möchte, dass die Besucher verstehen, was dort passierte und das geht eben am besten mit jemandem der einem alles erklären kann. Ich war am Ende genauso beeindruckt wie auch voller Fragen. Warum wurden von Zeit zu Zeit alle vorhandenen Räume des Tempels mit Lehmziegeln gefüllt, geschlossen und als Basis für eine neue Etage genutzt?! Die Wandmalereien, waren allerdings immer dieselben. Ganz egal warum, oder wieso, all diese Details waren unglaublich und ich bin absolut froh, auch diesen Ort besucht zu haben.

 

Zu guter Letzt durfte ein Besuch in der „Surfer Stadt“ Huanchaco nicht fehlen. Mit dem Bus dauerte es nur einige Minuten und war mit einem Sol auch noch ein Schnäppchen. Ich konnte mal wieder ein paar Surfer beobachten, hatte einen super leckeren Lunch und durfte die traditionellen Fischerboote aus Schilf mit eigenen Augen begutachten. Mit den Caballitos de Totora wird schon seit Jahrtausenden gefischt und sie müssen alle 6 Monate neu gebaut werden.

 

Piura

Mein nördlichster Punkt Perus. Nach Piura verlaufen sich normalerweise eher weniger Touristen. Gerade einmal 105 km trennen die letzte Großstadt Perus und die Grenze zu Ecuador. Der letzte El Niño im März diesen Jahres verwüstete die Stadt enorm. Ich habe die 2,5 Nächte dort genutzt um einfach abzuschalten, die Stadt zu genießen und in der Masse unterzugehen.

 

Cajamarca

Über 14 Stunden dauerte die Weiterfahrt nach Cajamarca. Oder kurz gesagt, vom Meer ging es wieder zurück in die Berge. Das erste Mal auf der gesamten Reise durfte ich ein Einzelzimmer mit eigenem Bad mein eigenen nennen. Klar ich hatte Dori in Neuseeland, aber sie war mir. Ein Privates Zimmer in einem Hostel, das war Premiere. Ob ich das wirklich reserviert hatte, kann ich ehrlich gesagt gar nicht mehr sagen, meine Auswahl der Unterkünfte ist immer recht einfach. Das günstigste mit einer guten Bewertung 😉 Ganz egal, ein Einzelzimmer mit privatem Bad – CHECKPOT!

So übersichtlich diese Stadt auch sein mag. Sie war der Ort an dem der Untergang der Inkas durch die Spanier begann. Aber eins nach dem anderen.

Cajamarca war früher der Sitz des Inkaherrschers Atahualpa. Im Jahre 1532 „spazierte“ der spanische Eroberer Francisco Pizarro ein und nahm den König mit gerade mal 150 Soldaten gefangen. Eine List half ihm dabei, wie sollte es auch anders sein. Er käme in Frieden, am Ende handelte es sich um das entscheidende Ereignis der spanischen Eroberung Perus.

Die Organisation der amerikanischen Staaten erklärte 1986 Cajamarca zum historischen und kulturellen Erbe des amerikanischen Kontinentes. Derzeit befindet es sich auch auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO, für eine mögliche Nominierung als Weltkulturerbe.

 

Ich durfte hier den Thron des Inkakönigs besteigen und von dort auf die Stadt blicken. Das Gefängnis des Inkakönigs war natürlich auch ein Punkt auf meiner To Do liste. Wie er versprach, füllte er den Raum bis zu einer roten Markierung 1 x mit Gold und 2 x mit Silber. Die Abmachung besagte, dass wäre der Preis für seine Freilassung. Das Gold wurde sogar von Cuzco mit Eseln bis nach Cajamarca gebracht. Am Ende hatte es für die Zukunft des Königs keine Rolle gespielt. Er wurde hingerichtet und die Spanier waren um Unmengen an Gold und Silber reicher.


 

∴ Wie ihr seht, dieses Land ist nicht nur unglaublich reich an wunderschöner Landschaft, es hat auch geschichtlich so viel mehr zu bieten als „nur“ den berühmten Machu Picchu. Und das ist erst der Anfang. Im nächsten Teil geht’s auf Ruinen, die älter und größer als Machu Picchu sind, es geht ins Grüne Herz Perus, an den Rand des Amazonas und dann mit einem Frachter sogar mitten rein. ∴

 


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